Barrierefrei heiraten

Bei der Hochzeitsplanung geht es zuerst um das Kleid, das Menü und die Musik. An Barrierefreiheit denken die meisten Paare erst, wenn eine Großmutter mit Rollator oder ein Gast im Rollstuhl zusagt. Dabei entscheidet die Location, ob alle Gäste teilnehmen können.

Barrierefrei bedeutet mehr als stufenlos: breite Türen, erreichbare Toiletten, feste Wege, gute Beleuchtung und eine Sitzordnung mit Bewegungsraum. Prüfen Sie die Location vor der Buchung vor Ort. Planen Sie die Wege vom Parkplatz bis zum Sitzplatz und fragen Sie Ihre Gäste, was sie brauchen.

Trauort und Feierlocation prüfen

Der erste Schritt ist ein Besichtigungstermin. Gehen Sie die Location so ab, wie ein Gast mit eingeschränkter Mobilität es tun würde. Am besten machen Sie das zusammen mit der betroffenen Person oder jemandem, der im Rollstuhl sitzt. Was auf dem Papier nach "barrierefrei" klingt, entpuppt sich vor Ort oft als Treppe am Seiteneingang oder als Toilette, die nur über Stufen erreichbar ist.

Fragen Sie beim Standesamt nach Nebeneingängen, Rampen und Aufzügen. Viele Standesämter liegen in alten Gebäuden, deren Haupteingang Stufen hat. Klären Sie auch, ob im Trausaal ein Rollstuhlplatz in der ersten Reihe möglich ist und ob der Platz vor dem Standesbeamten erreichbar ist. In Kirchen sieht es ähnlich aus: Alte Kirchen haben oft hohe Stufen, aber manche stellen mobile Rampen bereit. Fragen Sie direkt nach, ob der Mittelgang breit genug ist und ob ein Rollstuhlplatz in der vorderen Reihe frei bleibt.

Für die Feierlocation gelten die gleichen Fragen, plus ein paar weitere. Gibt es eine barrierefreie Toilette, und ist sie wirklich ohne Stufen erreichbar? Führt ein Aufzug in den oberen Stock, in dem der Saal liegt? Sind Türschwellen so niedrig, dass man sie mit dem Rollstuhl überqueren kann? Lassen Sie sich die Antworten schriftlich geben. Eine Location, die nur sagt "das wird schon gehen", ohne konkrete Angaben zu machen, ist ein Warnsignal.

Halten Sie bei der Besichtigung die wichtigsten Fragen parat:

  • Ist der Eingang stufenlos erreichbar oder gibt es eine Rampe?
  • Sind die Türen von Trauraum und Saal breit genug für einen Rollstuhl?
  • Ist die Toilette ohne Stufen erreichbar und innen groß genug?
  • Führt der Weg vom Parkplatz zum Eingang über festen Untergrund?

Wege vom Parkplatz bis zum Sitzplatz

Planen Sie den gesamten Weg vom Auto bis zum Sitzplatz. Ein Gast im Rollstuhl braucht eine durchgehende Strecke ohne Stufen, mit festem Untergrund. Als Richtwerte gelten: Der Weg ist breit genug für einen Rollstuhl, und es gibt eine Wendefläche, auf der man den Rollstuhl drehen kann. Diese Details entscheiden, ob jemand selbstständig vom Auto zur Tür kommt.

Der Untergrund macht den Unterschied. Asphalt, Beton und eng verlegte Pflastersteine sind gut geeignet. Kies, Sand, Rasen und grobes Kopfsteinpflaster sind es nicht. Wenn Sie im Grünen heiraten, prüfen Sie, ob es einen festen Weg gibt oder ob Sie provisorische Rampen und Matten auslegen können. Bedenken Sie auch das Wetter: Bei Regen wird Rasen zu Matsch, und nasses Laub im Herbst macht Wege rutschig. Ein Plan B für schlechtes Wetter gehört dazu.

Rampen müssen nicht nur vorhanden sein, sondern auch brauchbar. Eine steile Rampe ist für einen Rollstuhlfahrer kaum zu bewältigen, und lange Rampen brauchen Zwischenpodeste. Prüfen Sie, ob ein Geländer vorhanden ist. Auch die Beleuchtung zählt: Wege und Stufenkanten sollten abends gut sichtbar sein, damit Gäste mit Sehbeeinträchtigung die Stufen erkennen. Wenn Trauung und Feier an verschiedenen Orten stattfinden, planen Sie den Transfer ein oder wählen Sie besser eine Location, in der beides unter einem Dach liegt.

Sitzordnung, Buffet und Ablauf

Mit der Sitzordnung erreichen Sie mit wenig Aufwand viel. Reservieren Sie Plätze für Gäste mit eingeschränkter Mobilität und ihre Begleitung in der Nähe des Eingangs oder am Ende der Stuhlreihe, damit sie nicht durch die ganze Reihe klettern müssen. Zwischen den Tischen sollte ausreichend Platz sein, damit ein Rollstuhl durchpasst. Achten Sie darauf, dass ein Rollstuhlfahrer an den Tisch heranfahren kann: Ein Tisch mit mittigem Standfuß lässt sich besser anfahren als einer mit Beinen an den Ecken, und die Tischhöhe muss zum Rollstuhl passen.

Auch beim Buffet und an der Bar zählt die Höhe. Ein Buffet, das auf Brusthöhe aufgebaut ist, ist für einen sitzenden Gast unerreichbar. Fragen Sie beim Caterer nach, ob das Buffet so aufgebaut werden kann, dass auch sitzende Gäste sich selbst bedienen können, oder ob das Personal das Essen an den Tisch bringt. Dasselbe gilt für die Bar: Ein zu hoher Tresen schließt Gäste aus, die im Rollstuhl sitzen.

Planen Sie im Ablauf Pausen ein. Gäste mit chronischen Erkrankungen oder eingeschränkter Ausdauer brauchen zwischendurch Ruhe. Wenn Sie den Zeitplan vorab bekannt geben, können Gäste mit Diabetes oder anderen Erkrankungen ihre Medikamente und Mahlzeiten danach richten. Auch die Tanzfläche gehört zur Barrierefreiheit: Ein glatter, ebener Boden ist für alle gut, und Kabel oder Stuhlbeine sollten nicht im Weg liegen.

Gäste fragen und einbeziehen

Der sicherste Weg, herauszufinden, was Gäste brauchen, ist, sie zu fragen. Formulieren Sie auf der Einladung oder in einer persönlichen Nachricht einen unaufdringlichen Satz wie: "Damit wir den Tag für alle angenehm gestalten können, sagen Sie uns gern Bescheid, wenn Sie besondere Unterstützung brauchen." So erfahren Sie nicht nur von Rollstuhlfahrern, sondern auch von Gästen mit Allergien, Sehbeeinträchtigungen oder Hörgeräten, was wichtig ist.

Vermeiden Sie Annahmen. Ein Gast im Rollstuhl braucht nicht automatisch Hilfe, und ein Gast mit einer unsichtbaren Behinderung wie einer Herzerkrankung oder chronischen Schmerzen sieht man die Einschränkung nicht an. Fragen Sie nach, welche Unterstützung wirklich gebraucht wird, und nehmen Sie jede Antwort ernst.

Denken Sie auch an Sinnesempfindlichkeiten. Laute Musik, Stroboskoplicht und starke Duftkerzen können für Gäste mit Autismus, Epilepsie oder Migräne eine Belastung sein. Bieten Sie einen ruhigen Raum oder eine ruhige Ecke an und verzichten Sie auf Blitzlichtgewitter. Informieren Sie das Personal der Location und den Caterer über die Absprachen, damit zum Beispiel ein Kellner weiß, dass er einem sitzenden Gast das Essen an den Tisch bringt. Eine vertraute Person aus dem Freundeskreis kann am Tag der Hochzeit als Ansprechpartner für solche Fragen dienen, damit Sie sich als Paar nicht während der Trauung um organisatorische Probleme kümmern müssen.